Inhalt (8 Abschnitte)
- Krankentagegeld für Grenzgänger: die drei Ebenen
- Lohnfortzahlung nach Art. 324a OR
- Die Krankentaggeldversicherung beim Schweizer Arbeitgeber
- Was KVG, GKV und PKV beim Einkommen leisten
- Wo die Lücken liegen
- Beispiel: Wie viel Einkommen bei längerer Krankheit fehlt
- Arbeitsunfähig als Grenzgänger: was Sie melden müssen
- Krankentagegeld in der PKV richtig abstimmen
- Bei Krankheit zahlt der Schweizer Arbeitgeber den Lohn für eine beschränkte Zeit – im ersten Dienstjahr mindestens drei Wochen, danach angemessen länger (Art. 324a OR); durch Vertrag, Normal- oder Gesamtarbeitsvertrag ist eine mindestens gleichwertige Lösung möglich.
- Die meisten Krankentaggeldversicherungen zahlen 80 % des Lohns während 720 oder 730 Tagen innert 900 Tagen; das gilt als gleichwertig, wenn der Arbeitgeber mindestens die Hälfte der Prämie zahlt (SECO).
- Eine Krankentaggeldversicherung ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, wird aber häufig im Arbeitsvertrag vorgesehen (SECO).
- Die KVG-Grundversicherung zahlt kein Krankentaggeld; Geldleistungen kommen auch nicht über die Bescheinigung S1 aus Deutschland.
- Ein PKV-Krankentagegeld kann die Lücke schließen – etwa die 20 % über dem Taggeld, Karenztage oder die Zeit nach dem Jobende; für Selbstständige ist es oft die einzige Absicherung.
Beim Krankentagegeld für Grenzgänger zahlt zuerst der Schweizer Arbeitgeber: im ersten Dienstjahr mindestens drei Wochen Lohn, danach angemessen länger (Art. 324a OR) – meist ersetzt durch eine Krankentaggeldversicherung mit 80 % des Lohns während 720 oder 730 Tagen innert 900 Tagen (SECO). Die KVG-Grundversicherung zahlt kein Krankentaggeld. Lücken – etwa die fehlenden 20 %, Karenztage oder die Zeit nach dem Jobende – lassen sich mit einem privaten Krankentagegeld schließen. Stand: Oktober 2026.
Krankentagegeld für Grenzgänger: die drei Ebenen
Wer in der Schweiz arbeitet und krank wird, ist beim Einkommen auf drei Ebenen abgesichert – oder eben nicht. Die Krankenversicherung selbst spielt dabei eine kleinere Rolle, als viele denken.
1. Lohnfortzahlung
Der Arbeitgeber zahlt den Lohn für eine beschränkte Zeit weiter (Art. 324a OR) – die gesetzliche Mindestregel.
2. Krankentaggeldversicherung
Viele Arbeitgeber ersetzen die Lohnfortzahlung durch eine kollektive Versicherung, meist mit 80 % des Lohns für bis zu zwei Jahre.
3. Eigene Absicherung
Ein privates Krankentagegeld oder – je nach Mitgliedschaft – das Krankengeld der GKV schließt Lücken.
Lohnfortzahlung nach Art. 324a OR
Ist ein Arbeitnehmer ohne eigenes Verschulden wegen Krankheit an der Arbeit verhindert, muss der Arbeitgeber den Lohn „für eine beschränkte Zeit“ entrichten – vorausgesetzt, das Arbeitsverhältnis hat mehr als drei Monate gedauert oder ist für mehr als drei Monate eingegangen. Im ersten Dienstjahr sind es mindestens drei Wochen, danach eine „angemessen längere Zeit“ (Art. 324a OR, Stand 01.01.2026). Wie lang „angemessen“ ist, legen die Gerichte anhand von Skalen fest, die je nach Region unterschiedlich ausfallen (SECO).
Durch schriftliche Abrede, Normalarbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag kann eine abweichende Regelung gelten, wenn sie für den Arbeitnehmer mindestens gleichwertig ist. Nach der Gerichtspraxis sind auch einige wenige Karenztage zulässig, an denen kein Lohn gezahlt wird – je nach Gericht ein bis drei Tage (SECO). Für Sie als Grenzgänger gilt das Schweizer Arbeitsrecht Ihres Arbeitsverhältnisses; Ihr Wohnsitz in Deutschland ändert daran nichts.
Die Krankentaggeldversicherung beim Schweizer Arbeitgeber
Eine Krankentaggeldversicherung ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, wird aber „zum Vorteil beider Vertragsparteien häufig im Arbeitsvertrag vorgesehen“ (SECO). Typische Eckdaten:
| Punkt | Typische Regelung |
|---|---|
| Leistung | 80 % des Lohnes |
| Dauer | 720 oder 730 Tage innert 900 Tagen |
| Gleichwertigkeit zur Lohnfortzahlung | gegeben, wenn der Arbeitgeber mindestens die Hälfte der Prämie zahlt |
| Karenz | vertraglich geregelt; nach Gerichtspraxis wenige Karenztage zulässig |
| Pflicht | keine gesetzliche Pflicht, häufig im Arbeitsvertrag vorgesehen |
Fragen Sie bei Ihrem Arbeitgeber nach dem Reglement: Wie hoch ist das Taggeld, ab welchem Tag wird gezahlt, wie lange, bis zu welcher Lohnhöhe – und was passiert, wenn das Arbeitsverhältnis endet, während Sie krank sind?
Was KVG, GKV und PKV beim Einkommen leisten
| Krankenversicherung | Einkommensersatz bei Krankheit |
|---|---|
| Schweizer KVG | kein Krankentaggeld; die deutsche aushelfende Kasse erbringt nur Sachleistungen, Geldleistungen kommen aus dem Beschäftigungsstaat |
| Freiwillige GKV | Krankengeld nur, wenn Ihre Mitgliedschaft es einschließt – erkennbar am allgemeinen Beitragssatz von 14,6 % statt 14,0 %; das klärt Ihre Kasse |
| PKV | Krankentagegeld als Baustein mit frei vereinbartem Beginn und Betrag, abgestimmt auf Lohnfortzahlung und Taggeld |
Ein Punkt wird oft übersehen: Die Bescheinigung S1 betrifft nur Sachleistungen wie Arztbesuche und Krankenhaus. Für Geldleistungen wie Krankengeld ist ausschließlich der Träger des Beschäftigungsstaats zuständig – die ÖGK formuliert das für Österreich ausdrücklich, das Prinzip gilt nach europäischem Koordinierungsrecht allgemein. Mehr zur S1 im Ratgeber Formular S1, zur Wahl der freiwilligen GKV im Ratgeber GKV oder KVG.
Wo die Lücken liegen
Die fehlenden 20 %
Ein Taggeld von 80 % deckt Ihre Fixkosten oft, Ihren Lebensstandard nicht. Bei 8.000 CHF Lohn fehlen 1.600 CHF im Monat – rund 1.712 € bei 1 CHF = 1,07 €.
Karenztage und Wartefristen
Je nach Vertrag zahlt die Versicherung erst nach einer Wartefrist. In dieser Zeit muss der Arbeitgeber nach Art. 324a OR einspringen – prüfen Sie, wie das geregelt ist.
Ende des Arbeitsverhältnisses
Endet Ihr Job, endet auch die kollektive Versicherung des Arbeitgebers. Ob und wie Sie in eine Einzelversicherung übertreten können, steht im Reglement.
Selbstständige
Ohne Arbeitgeber gibt es weder Lohnfortzahlung noch kollektives Taggeld. Mehr im Ratgeber Selbstständige Grenzgänger.
Beispiel: Wie viel Einkommen bei längerer Krankheit fehlt
Ein vereinfachtes Beispiel: Ein Grenzgänger, seit vier Jahren beim selben Arbeitgeber in Basel, verdient 8.000 CHF brutto im Monat. Sein Arbeitgeber hat eine Krankentaggeldversicherung mit 80 % ab dem 31. Tag; bis dahin zahlt er den vollen Lohn.
| Zeitraum | Leistung pro Monat | Lücke pro Monat |
|---|---|---|
| Tag 1–30: Lohnfortzahlung | 8.000 CHF | – |
| ab Tag 31: Krankentaggeld 80 % | 6.400 CHF (≈ 6.848 €) | 1.600 CHF (≈ 1.712 €) |
| nach 720 Tagen oder bei Vertragsende ohne Übertritt | 0 CHF | 8.000 CHF (≈ 8.560 €) |
Ein privates Krankentagegeld kann gezielt die Differenz ab dem 31. Tag absichern oder später einsetzen, wenn das Taggeld endet. Wichtig ist die Abstimmung: Das Tagegeld darf zusammen mit anderen Leistungen das Nettoeinkommen in der Regel nicht übersteigen, und Beginn und Höhe sollten zum Reglement Ihres Arbeitgebers passen.
Arbeitsunfähig als Grenzgänger: was Sie melden müssen
Viele Grenzgänger werden bei Krankheit in Deutschland behandelt – der Arbeitgeber sitzt aber in der Schweiz. Melden Sie die Arbeitsunfähigkeit deshalb sofort Ihrem Arbeitgeber und legen Sie ein ärztliches Zeugnis so vor, wie es Ihr Arbeitsvertrag oder das Reglement vorsieht. Die Krankentaggeldversicherung verlangt in der Regel eine eigene Meldung; versäumte Meldungen können Leistungen verzögern. Fragen Sie vorab, ob die Versicherung Zeugnisse deutscher Ärzte ohne Weiteres akzeptiert oder eine Übersetzung bzw. eine vertrauensärztliche Untersuchung verlangen kann.
Für die Behandlung selbst gilt Ihre Krankenversicherung: als KVG-Versicherter in Deutschland über die aushelfende Kasse, in der Schweiz über den KVG-Versicherer; als befreiter Grenzgänger über Ihre GKV oder PKV. Das Einkommen dagegen hängt am Arbeitsverhältnis – deshalb gehören beide Fragen getrennt geprüft.
Krankentagegeld in der PKV richtig abstimmen
- Beginn: dort, wo Lohnfortzahlung oder Taggeld enden bzw. zu niedrig sind – nicht doppelt versichern.
- Höhe: auf das Nettoeinkommen ausgerichtet; Lohnerhöhungen regelmäßig nachziehen.
- Geltung: Arbeitsunfähigkeit in Deutschland und der Schweiz muss anerkannt werden – Bedingungen prüfen.
- Dauer: Leistung bis zum Ende der Arbeitsunfähigkeit, nicht nur für eine kurze Frist.
- Steuer: Beiträge für Krankentagegeld zählen nicht zur Basisabsicherung – mehr im Ratgeber Krankenversicherung steuerlich absetzen.
Wer sich mit einer PKV von der KVG befreien lässt, kann das Krankentagegeld direkt einbauen; was der Tarif sonst können muss, steht im Ratgeber PKV-Grenzgängertarif. Auch bei einer Kündigung lohnt der Blick auf das Thema – siehe Ratgeber Grenzgänger arbeitslos. Ob die PKV insgesamt zu Ihnen passt, zeigt der kostenlose Grenzgänger-Check. Diese Seite informiert allgemein; maßgeblich sind Ihr Arbeitsvertrag, das Versicherungsreglement und die Bedingungen Ihres Tarifs.
Häufige Fragen
Wie lange zahlt der Schweizer Arbeitgeber bei Krankheit den Lohn?
Nach Art. 324a OR im ersten Dienstjahr mindestens drei Wochen und danach für eine angemessen längere Zeit, wenn das Arbeitsverhältnis mehr als drei Monate gedauert hat oder dafür eingegangen wurde. Vertraglich, per Normal- oder Gesamtarbeitsvertrag kann eine mindestens gleichwertige Lösung vereinbart sein – in der Praxis meist eine Krankentaggeldversicherung.
Was zahlt die Krankentaggeldversicherung in der Schweiz?
Laut SECO geben die meisten Krankentaggeldversicherungen Anspruch auf 80 % des Lohnes während 720 oder 730 Tagen innert 900 Tagen. Das gilt als gleichwertig zur gesetzlichen Lohnfortzahlung, wenn der Arbeitgeber mindestens die Hälfte der Prämie zahlt. Die genauen Bedingungen stehen in Ihrem Arbeitsvertrag und den Versicherungsbedingungen.
Bekommen Grenzgänger Krankengeld von der deutschen Krankenkasse?
Als KVG-Versicherter nicht: Die aushelfende deutsche Kasse erbringt nur Sachleistungen, Geldleistungen kommen aus dem Beschäftigungsstaat. Als freiwillig gesetzlich Versicherter hängt es von Ihrer Mitgliedschaft ab, ob Krankengeld eingeschlossen ist (Beitragssatz 14,6 % statt 14,0 %) – das klärt Ihre Kasse.
Brauchen Grenzgänger ein zusätzliches Krankentagegeld?
Das hängt von Ihrem Vertrag ab. Typische Lücken sind die 20 % über einem Taggeld von 80 %, Karenztage, Lohnanteile über der versicherten Summe und die Zeit nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses. Selbstständige haben ohne eigene Vorsorge gar keinen Einkommensschutz.
Zahlt die KVG Krankentaggeld?
Die obligatorische Grundversicherung nach KVG zahlt Behandlungskosten, aber kein Krankentaggeld. Einkommensersatz bei Krankheit läuft in der Schweiz über die Lohnfortzahlung des Arbeitgebers und dessen Krankentaggeldversicherung.
Quellen
- Obligationenrecht (OR), Art. 324a und 324b – Stand 01.01.2026
- SECO: FAQ zu Verhinderung des Arbeitnehmers an der Arbeitsleistung – abgerufen 10.10.2026
- Verordnung (EG) Nr. 883/2004, Art. 17 und 21 (Sach- und Geldleistungen)
- ÖGK: Grenzgänger (Geldleistungen ausschließlich durch den Träger des Beschäftigungslandes)
- § 44 SGB V (Krankengeld)
- §§ 241, 243 SGB V (Beitragssätze)
- transparent-beraten.de: Private Krankenversicherung für Grenzgänger (Sekundärquelle) – 08.07.2026
Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen zu der Krankenversicherung von Grenzgängern zwischen Deutschland und der Schweiz (Stand: 10. Oktober 2026). Er ersetzt keine individuelle Beratung. Welche Lösung zu Ihnen passt, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab, z. B. Alter, Gesundheit, Einkommen und Familie. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität; Gesetze und Tarife ändern sich. Angaben zum Optionsrecht und zum Befreiungsverfahren sind allgemeine Informationen und keine Rechtsberatung; im Einzelfall entscheidet die zuständige Stelle des Arbeitskantons bzw. Ihre Krankenkasse. CHF-Beträge sind mit der genannten Wechselkurs-Annahme umgerechnet. Herausgeber: Grenzgänger-PKV.de. Grenzgänger-PKV.de ist kein Versicherungsmakler und bietet keine Versicherungs-, Rechts- oder Steuerberatung an; eine individuelle Beratung erfolgt ausschließlich durch spezialisierte Kooperationspartner mit Erlaubnis nach § 34d GewO.